Das erste Auto mehrerer Generationen

Volkswagen KäferDer Volkswagen Käfer war für viele Deutsche das erste Auto. Er war günstig als Neuwagen, noch günstiger als Gebrauchtwagen und fast schon billig, wenn er beinahe ein Oldtimer war. Weil er geradezu unverwüstlich war, konnte er Jahrzehnte lang nicht nur auf deutschen Straßen rollen. Und weil er recht einfach gebaut war, konnte jede noch so kleine Werkstatt ihn reparieren. Wer lernte ein Auto zu reparieren, fing mit dem Käfer an. Fast jeder nicht an Marken gebundene Automechaniker hat zwischen 1950 und 1980 seinen ersten Ölwechsel an einem Käfer gemacht.

Der Käfer begann seinen Siegeszug eigentlich als günstiges Familienauto, sowohl vor dem Zweiten Weltkrieg als auch währenddessen und den Jahren danach. Immerhin bot er vier bis fünf Personen Platz. In den 60er Jahren begannen die Studenten, ihn als günstiges Auto zu entdecken und er wurde zum Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit. Die Kinder der Studentenbewegung waren dann die nächste Generation, die in den 80er Jahren den Käfer wiederentdeckte. Wieder waren es auch die jungen aufbegehrenden Studenten der Friedensbewegung, die dem Käfer nochmal Aufschwung brachten. Unvergessen die Hippies, die mit dem Käfer bis nach Asien fuhren, um ihren Guru zu treffen. Noch heute sieht man in Indien, aber auch südostasiatischen Ländern, Käfer aus dieser Zeit. Selbst im kommunistischen Laos gibt es einen sehr aktiven Käferclub und es sind die Kinder der kommunistischen Revolution, die jenes Gefährt feiern, das von einem imperialistischen Staat erfunden wurde.

Was die Generationen verband war der Kult um den Käfer. Spätestens die zweite Generation der Käferfahrer machte aus dem Auto ein Lebensgefühl. Käfer fahren war eine Einstellung, nicht nur von einem Punkt zum anderen zu kommen. Es war vielleicht auch Widerstand gegen die aufkommende Technisierung der Autos. Der Käfer hatte keine Technik. Selbst die Heizung funktionierte bis Ende der 60er Jahre noch mit Heizlampen. Wenn es ein Problem gab, dann konnte generationsübergreifend zusammen repariert werden – was ihn wiederum zum Familienauto machte.